Austria: Covid-19: Welche Unterstützungsleistungen der öffentlichen Hand kann ich beantragen?

27 March 2020 | newsletters

Die durch die Covid-19 Pandemie verursachten wirtschaftlichen Auswirkungen betreffen eine Vielzahl von Unternehmen. Die Politik hat bereits mehrere Maßnahmen zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit und Überbrückung von Liquiditätsengpässen für die heimische Wirtschaft verlautbart. Auf politischer Ebene wurde ein Hilfspaket in Höhe von insgesamt EUR 38 Milliarden kommuniziert, das sich aus folgenden Maßnahmen zusammensetzt:

  • EUR 4 Mrd aus dem mit dem 1. COVID-19 Gesetz geschaffenen COVID-19 Krisenbewältigungsfonds, der ua der Finanzierung des Corona-Kurzarbeitsmodells und des mit EUR 1 Mrd dotierten Härtefallfonds für EPU und Kleinstbetriebe dient.
  • EUR 9 Mrd für Garantien und Haftungen zur Kreditsicherung als Überbrückungsmaßnahme zur Liquiditätssicherung von Unternehmen.
  • EUR 15 Mrd für einen Nothilfefonds für besonders betroffene Branchen, wobei die gesetzliche Grundlage und die konkrete Ausgestaltung noch offen sind.
  • EUR 10 Mrd an Steuerstundungen.

Hier finden Sie eine Übersicht über die aktuell zur Verfügung stehenden Unterstützungsleistungen samt der derzeit öffentlich verfügbaren Informationen darüber, ob Ihr Unternehmen als Förderungswerber in Frage kommt und Links zu den relevanten Abwicklungsstellen.  

 

OeKB "COVID 19 KRR" (relevant für Exportunternehmen)

Seit 16.3.2020 stellt der Bund über die Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) zusätzliche Betriebsmittelkredite in Höhe von EUR 2 Mrd für Exportunternehmen zur Verfügung. Durch Haftungen übernimmt er das Insolvenzrisiko für 50 bis 70 Prozent des Kreditrahmens.

Antragsberechtigt sind in Österreich ansässige Exportunternehmen (Großunternehmen und KMU). Voraussetzung ist, dass das Exportunternehmen mind. 25% seiner Wertschöpfung in Österreich erzielt und vor Beginn der COVID Krise wirtschaftlich gesund war. Bestimmte Unternehmen wie Unternehmen, die unter das Sicherheitskontrollgesetz und/oder die Kriegsmaterialverordnung fallen, sind ebenso wie Tourismusbetriebe nicht antragsberechtigt.

Die Höhe des Kredites orientiert sich am letztjährigen Exportumsatz und beträgt 10 Prozent bei Großunternehmen und 15 Prozent bei KMUs. Kredite sind pro Unternehmensgruppe mit maximal EUR 60 Mio. begrenzt. Laufzeit ist zwei Jahre mit Verlängerungsoption. Ein konkreter Finanzierungsbedarf muss nicht vorgewiesen werden, allerdings ist die OeKB ab 30.9.2020 zur Anpassung eines nicht genutzten Rahmens oder zur Kündigung bei (auch teilweiser) Nichtinanspruchnahme berechtigt.

Antragstellungen erfolgen über die Hausbank. Weiterführende Informationen finden Sie hier.

AWS-Überbrückungsgarantie (relevant für EPU/KMU außer Tourismus)

Zur Liquiditätsüberbrückung von KMUs in Industrie und Gewerbe sowie Personen oder Unternehmen, die einen freien Beruf selbstständig ausüben, stellt die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (aws) Garantien für Überbrückungsfinanzierungen bereit. Insgesamt beträgt das Volumen derzeit EUR 10 Mio. Der Bundesminister für Finanzen ist ermächtigt, das Gesamtobligo zu erhöhen.

Antragsberechtigt sind EPU/KMU aller Branchen. Ausgenommen sind Tourismus- und Freizeitbetriebe (Gastronomie, Hotellerie, Gesundheitsbetriebe, Reisebüros, Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe sowie die Freizeit- und Sportbetriebe), Unternehmen mit Reorganisationsbedarf oder insolvente Unternehmen.

Garantiefähig sind Betriebsmittelfinanzierungen etwa für laufende Personal- und Sachkosten sowie Stundungen bestehender Kreditlinien. Bloße Umschuldungen sind nicht förderbar. Die aws Garantie sichert bis zu 80% des Kredites bis zu maximal EUR 2,5 Mio. Laufzeit ist höchstens 5 Jahre.

Antragstellungen erfolgen über die Hausbank. Weiterführende Informationen finden Sie unter https://www.aws.at/aws-garantie/ueberbrueckungsgarantie/ und https://www.wko.at/service/coronavirus-ueberbrueckungsfinanzierung.html.

ÖHT-Garantie (relevant für Tourismus- und Freizeitwirtschaft)

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus stellt gemeinsam mit der Österreichischen Hotel und Tourismusbank (ÖHT) Bundeshaftungen durch die ÖHT für neu aufzunehmende Überbrückungsfinanzierungen zur Verfügung. Insgesamt beträgt das Volumen derzeit EUR 100 Mio. Der Bundesminister für Finanzen ist ermächtigt, das Gesamtobligo zu erhöhen.

Antragsberechtigt sind Betriebe mit Mitgliedschaft in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKO, einschließlich Mischbetriebe.

Die ÖHT Garantie besichert Überbrückungsfinanzierungen in Höhe von 80% des Kredits bis zu maximal EUR 500.000. Laufzeit ist höchstens 36 Monate. Die Förderung umfasst auch die Kostenübernahme der einmaligen Bearbeitungsgebühr und der Haftungsprovision.

Antragstellungen erfolgen über die Hausbank. Weiterführende Informationen finden Sie hier und hier.

Härtefallfonds (relevant für Selbständige)

Das 2. Covid-19 Gesetz (abrufbar hier) sieht die Einrichtung eines Härtefallfonds mit Gesamtfördervolumen von EUR 1 Mrd vor. Der Härtefallfonds wird aus dem mit dem 1. COVID-19 Gesetz (abrufbar hier) geschaffenen COVID-19 Krisenbewältigungsfonds gespeist. Förderungsempfänger sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU), Kleinstunternehmen, Freie Dienstnehmer und Neue Selbständige mit Sitz / Betriebsstätte in Österreich.

Förderungen werden in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen in zwei Phasen gewährt. In Phase 1 werden maximal EUR 1,000, insgesamt maximal EUR 6,000 ausgezahlt.

Antragstellungen sind ab 27.3.2020, 17 Uhr online über die WKO möglich. Weiterführende Informationen finden Sie hier und hier.

Bundesministerium für Finanzen und ABBAG

Das 1. COVID-19 Gesetz (abrufbar hier) ermächtigt die 2008 gegründete Abbaubeteiligungsaktiengesellschaft des Bundes (ABBAG) oder eine von ihr zu gründende Tochtergesellschaft, im Auftrag des Bundesministers für Finanzen finanzielle Maßnahmen zugunsten bestimmter Unternehmen (insb Sitz oder Betriebsstätte sowie wesentliche operative Tätigkeit in Österreich) zu ergreifen, die zur Erhaltung der Zahlungsunfähigkeit und der Überbrückung von Liquiditätsschwierigkeiten dieser Unternehmen im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie und den dadurch verursachten wirtschaftlichen Auswirkungen geboten sind.

Die genaue Ausgestaltung der Unterstützungsmaßnahmen, einschließlich Instrumente, Höhe und Laufzeit sowie Kreis der Begünstigten der finanziellen Maßnahmen, werden in einer Richtlinie festgelegt, die noch in Ausarbeitung ist.

Informationsseite der WKÖ

Die Wirtschaftskammer Österreich informiert regelmäßig über Sofort- und Überbrückungsmaßnahmen. Weiterführende Informationen finden Sie hier.

 


Die Übersicht COVID Unterstützungsmaßnahmen öffentliche Hand Österreich finden Sie hier zum Download.

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